Effektiv zweireihige Ziehharmonika lernen mit einem modernen Online Lernportal

Der Knopf sitzt schief unter meinem Zeigefinger, ich drücke trotzdem noch einmal durch, bis der Ton kommt, den ich will. Das ist mein Hobby nach Feierabend: ein zweireihiges, diatonisches Akkordeon, mit dem ich mir seit Monaten fast im Alleingang beibringe, was ein Ziehharmonika-Anfängerkurs vor Ort mir wegen meiner Schichten nie zeigen könnte. Online lernen war am Ende keine Notlösung, sondern der einzige Weg, der überhaupt zu meinem Dienstplan passte.

Einen festen Termin bei einer Musikschule hätte ich sowieso nie halten können. Wechselschicht auf der Kardiologie bedeutet, dass mein freier Nachmittag heute vielleicht erst übermorgen wiederkommt. Also suchte ich mir Hilfe, die wartet, bis ich Zeit habe – ein Onlineportal, Videos, keine feste Uhrzeit.

Ein Ziehharmonika-Anfängerkurs muss zu meinem Dienstplan passen

Vor acht Monaten habe ich meine 'Kleine' auf einem Flohmarkt gefunden, für fünfundvierzig Euro, zwischen lauter Sachen, für die sich sonst niemand mehr interessierte. Ich wusste damals nicht einmal, dass zweireihige Ziehharmonikas wechseltönig sind – dass ein Knopf beim Ziehen einen anderen Ton macht als beim Drücken. Von einem klassischen Akkordeon mit Klaviertasten unterscheidet sich das ordentlich, das habe ich erst begriffen, als ich mich durch die ersten Erklärvideos geklickt habe.

Das Akkordeon lernen für Erwachsene durch Onlinekurse hat mir genau die Unabhängigkeit gegeben, die ich brauchte: kein Warten auf einen freien Kursplatz, kein Termin, der mit meiner Nachtschicht kollidiert. Ich klappe das Tablet auf, sehe mir ein kurzes Video an, probiere es direkt an den Knöpfen aus.

Nahaufnahme der Finger auf den Knopfreihen eines diatonischen Akkordeons beim Üben

Griffschrift statt Notenblatt

Noten lesen habe ich nie gelernt, und mit über vierzig wollte ich damit auch nicht bei null anfangen. Das Portal arbeitet mit Griffschrift – dort steht nicht, welcher Ton klingt, sondern welcher Knopf gedrückt wird, und allein das hat mir den Einstieg leichter gemacht als jedes Notenblatt es je hätte tun können.

Rechte und linke Hand laufen dabei komplett getrennte Wege. Der Fingersatz für die rechte Knopfreihe ist eine eigene Baustelle, die Basslinie der linken Hand eine andere, und wie ich das Instrument überhaupt richtig halte, damit mir nach zwanzig Minuten nicht der Gurt in die Schulter schneidet, habe ich mir mühsam selbst beigebracht. Die Knopfbelegung – zwei Reihen oben, eine kleine Bassreihe links – ist in zwei Sätzen erklärt, aber bis die Finger sie im Dunkeln finden, vergeht Zeit.

Fingerübungen ohne Instrument bringen wenig

Im Frühling habe ich es ernsthaft versucht: abends auf dem Küchentisch mit den Fingern die Bewegungen der Basslinie nachgemacht, ohne die Ziehharmonika überhaupt aus dem Regal zu holen, weil ich dachte, das spart Zeit zwischen zwei Nachtschichten. Es hat nichts gebracht. Auf dem Tisch gibt es keinen Widerstand, keinen Balg, der zieht oder drückt, und am echten Instrument haben sich meine Finger danach genauso verhakt wie vorher. Was am Küchentisch nach Fortschritt aussah, blieb Bewegung ohne Klang.

Tablet mit Video-Lektion zum online Lernen der Ziehharmonika in der Küche

Woche sieben und der weiche Balg

In Woche sieben wurde der Zug am Balg auf einmal weich unter meinen Fingern. Ich spürte es, bevor ich den Unterschied im Ton überhaupt hörte – kein Rucken mehr, kein Kämpfen gegen das Leder. Erst ein paar Takte später fiel mir auf, dass sich auch der Klang verändert hatte.

Balgkontrolle ist offenbar so ein Thema, das sich nicht erklären lässt, sondern sich irgendwann einfach einstellt, wenn die Hand oft genug denselben Weg gegangen ist. Nach Gehör spielen kommt bei mir aus derselben Ecke – ich probiere eine Melodie, die ich aus dem Radio kenne, so lange, bis sie stimmt, ganz ohne dass mir jemand die Knöpfe vorgibt.

Taktgefühl übe ich inzwischen nicht nur mit der Ziehharmonika auf dem Schoß. Wenn ich nach der Frühschicht auf der Strandpromenade in Warnemünde laufe, zähle ich manchmal im Kopf die Wechselbass-Schläge mit, als würde ich das Metronom beim Gehen mitschleppen.

Die Koordination beider Hände fühlt sich manchmal an wie beim Blutabnehmen: irgendwann denkt man nicht mehr über jeden einzelnen Handgriff nach. Nur das leise Schweben zwischen zwei fast gleich gestimmten Tönen, das Tremolo meiner Kleinen, ist ein Klang, an den ich mich erst gewöhnen musste.

Was vom Hobby nach Feierabend bleibt

Meine alte Freundin Almut, die inzwischen in einer Reha-Klinik arbeitet, hat mich letzte Woche am Telefon gefragt, wie oft ich eigentlich wirklich übe und nicht nur vorhabe zu üben – eine typisch praktische Frage von ihr, ganz ohne Rührseligkeit.

Vor Kurzem schrieb mir eine Leserin aus Greifswald, Tove Reimann, die das Akkordeon ihrer Großmutter geerbt hat. Sie führt ein Übungsprotokoll, so genau nach Minuten und Stücken sortiert, dass ich mich beim Lesen fast ertappt fühlte, weil ich selbst nur grob schätze, wie viel ich in dieser Woche geschafft habe.

Dass ein Flohmarktinstrument irgendwann auch gereinigt und gepflegt werden will, ist übrigens ein eigenes Kapitel, das ich hier gar nicht erst anfange.

Ziehharmonika im Morgenlicht auf der Terrasse, Hobby nach Feierabend nach der Nachtschicht

Was mir Wie der melancholische Klang der Ziehharmonika mir beim Abschalten hilft im Alltag bedeutet, hat sich in acht Monaten kaum verändert, nur dass ich inzwischen weiß, warum es funktioniert. Was zählt, ist nicht, wie schnell man ein Stück lernt, sondern dass man nach einer Doppelschicht überhaupt noch die Geduld findet, es noch einmal falsch zu spielen, bevor es richtig wird. Das ist die eine Lektion, die mir aus acht Monaten wechseltönigem Üben geblieben ist – und sie gilt vermutlich auch für einiges andere im Leben, nicht nur für Musik.

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