Angst vor falschen Tönen verlieren: Wie man beim Akkordeonspielen lockerer wird

Transparenzhinweis: Einige Links auf dieser Seite sind Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhalte ich eine Vergütung, ohne dass Ihnen zusätzliche Kosten entstehen.

Ein verkrampfter Finger auf dem Bass-Knopf klingt anders als ein lockerer. Man hört den Unterschied, bevor man ihn sich erklären kann – ein Ton, der zu hart einsetzt und zu schnell wieder abbricht, als würde er sich selbst misstrauen.

Die Angst vor falschen Tönen beim Akkordeon lernen sitzt selten im Kopf. Sie sitzt in den Schultern, im Handgelenk, in einem Gurt, der eine Nummer zu stramm sitzt. Wer angstfrei musizieren will, fängt deshalb nicht mit mehr Übung an, sondern mit weniger Anspannung, erst der Körper, dann erst die Finger.

Bevor es weitergeht, kurz das Formale: Dieser Blog trägt sich über Affiliate-Links, unter anderem zu Kursen, die ich selbst ausprobiert habe. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Die vollständige Offenlegung findest du hier, falls dich die Details interessieren.

Woher die Angst vor dem falschen Ton kommt

Diatonische Ziehharmonika lernen: entspannte Hände auf den Knöpfen im weichen Licht

Wer beruflich mit exakten Werten arbeitet, bringt diese Genauigkeit oft mit nach Hause. Auf Station muss eine Übergabe stimmen, ein Medikament muss stimmen, da bleibt wenig Raum für „ungefähr". Diese Erwartung auf ein Instrument zu übertragen, das gerade erst gelernt wird, passiert fast automatisch.

Damit dieser Anspruch an Perfektion nicht die Oberhand behält, hilft oft ein Rahmen von außen. Der Ziehharmonika Anfaengerkurs (Harmonicademy) baut seine 21 Lektionen zum Beispiel so auf, dass kleine Fehler von Anfang an eingeplant sind, statt bestraft zu werden.

Ein Teil der Unsicherheit hat außerdem einen ganz simplen technischen Grund: Die diatonische Ziehharmonika ist wechseltönig, beim Ziehen des Balgs kommt bei gleichem Knopf ein anderer Ton als beim Drücken, wer das nicht weiß, hält jeden ungewohnten Ton für einen Fehler in der Hand, dabei war es nur die Balgrichtung.

Später einzusteigen als andere macht diese Selbstzweifel nicht kleiner. In meinem Text über Akkordeon lernen für Späteinsteiger gehe ich genauer darauf ein, wie viel davon am Ende einfach nur Kopfsache ist.

Der Körper entspannt sich vor dem Kopf

Die Anspannung meldet sich zuerst im Körper, lange bevor der Kopf sie überhaupt bemerkt.

Ein Gurt, der zu stramm über der Schulter liegt, drückt genau dort, wo sich beim Spielen ohnehin schon alles zusammenzieht. Ich achte inzwischen bewusst darauf, wie ich sitze und wie das Gewicht der Ziehharmonika verteilt ist, bevor ich überhaupt den ersten Ton spiele.

Nach einer Nachtschicht, wenn eigentlich nur noch das Bett zählt, sacken meine Schulterns manchmal von ganz allein nach unten, sobald ich die Kleine aufnehme. Genau dann klingt jeder Ton runder, weniger gepresst, nicht weil ich mehr könnte, sondern weil nichts mehr dagegenhält.

Wie du sitzt, gehört zu den Dingen, die beim Akkordeon lernen meist zu kurz kommen, dabei entscheidet die Spielhaltung mit, wie viel Kraft die Finger am Ende noch aufbringen müssen. Genauso wichtig ist Balgkontrolle: Ein ruhig geführter Balg nimmt dem Moll-Bass, der bei mir immer noch gern mal hakt, einen guten Teil seiner Schärfe.

Trockenübung oder echtes Spiel: Was beim Akkordeon lernen wirklich hilft

Der Balg der Ziehharmonika im Detail – wichtig für Balgkontrolle und angstfreies Musizieren

Fingerübungen am Küchentisch, ganz ohne Instrument, waren bei mir ein Griff, der nicht aufgegangen ist. Auf dem Papier klang die Idee vernünftig: Beweglichkeit trainieren, ohne dass jemand den Krach hört. In der Praxis haben meine Finger auf der Tischplatte etwas ganz anderes gelernt als auf den Knöpfen, der Widerstand fehlte komplett, und genau an diesen Widerstand muss sich die Hand gewöhnen.

Almut, eine alte Freundin aus der Pflegeausbildung, hat mich neulich am Telefon ziemlich direkt gefragt, warum ich bei jedem falschen Ton so zusammenzucke, typisch für sie, sie stellt selten vage Fragen. Die ehrliche Antwort: weil Handkoordination sich nur am echten Instrument aufbaut, nicht in der Theorie, und jeder Rückschritt sich dort fast körperlich anfühlt.

Ein schwergängiges, schlecht gewartetes Instrument macht die ganze Sache übrigens nicht leichter. Wer ein gebrauchtes Modell übernommen hat, findet in meinem Artikel über gebrauchte Ziehharmonikas vom Trödelmarkt ein paar Ansatzpunkte, woran das liegen kann.

Wie erkennst du, ob ein falscher Ton wirklich ein Problem ist?

Eine Leserin aus Greifswald, die das geerbte Akkordeon ihrer Großmutter übernommen hat, schrieb mir vor kurzem. Sie führt ein ziemlich genaues Übungsprotokoll und wollte wissen, wann ein falscher Ton eigentlich ernst zu nehmen ist. Meine Faustregel: Ein Ton ist nur dann ein echtes Problem, wenn er das Taktgefühl aus dem Rhythmus wirft und die nächste Phrase mitreißt. Klingt er nur schräg, aber der Puls bleibt stehen, ist er meistens vergessen, bevor der nächste Takt beginnt.

Nach Gehör zu spielen hilft dabei mehr, als es sich zunächst anfühlt, weil das Ohr diesen Unterschied zwischen „schräg" und „aus dem Takt" viel schneller erkennt als der Kopf mit den Noten vor sich. Und wenn du wie ich zwischen Schichten übst, lohnt sich ein Blick auf Harmonika lernen online ohne festen Termin – der Druck, pünktlich gut zu sein, verschwindet, sobald niemand auf eine feste Uhrzeit wartet.

Angstfrei musizieren in drei Schritten

Akkordeon lernen im eigenen Tempo: ein ruhiger Morgen mit der Ziehharmonika

Drei Dinge helfen mir inzwischen zuverlässiger als jede Willenskraft. Erstens: vor dem ersten Ton bewusst ausatmen und die Schultern sinken lassen, statt sofort loszulegen. Zweitens: Gurt und Sitzposition prüfen, bevor die Finger überhaupt an die Knöpfe gehen, nicht danach. Drittens: unterscheiden, ob ein Ton wirklich falsch war oder nur die Balgrichtung gewechselt hat, die beiden fühlen sich anfangs gleich fehlerhaft an, sind es aber nicht.

Für mich war der Anfängerkurs von Harmonicademy ein Teil davon, einfach weil er sich im eigenen Tempo durcharbeiten lässt, egal ob nach dem Frühdienst oder mitten in der Nacht, und weil er ein einmaliger Kauf ist statt eines Abos, das im Hinterkopf tickt.

Diese Notizen sind kein Lehrbuch, eher ein Hobbymusiker-Tagebuch aus der Praxis, aufgeschrieben von jemandem, die selbst noch übt. Der wichtigste Satz darin bleibt simpel: Ein falscher Ton ist kein Notfall, er ist höchstens ein Grund, kurz auszuatmen und weiterzuspielen.

Deine Krankenschwester aus Warnemünde.

Verwandte Artikel