
Der zweite Bassknopf ist schon unter meinem Finger, bevor ich hinschaue. Er rutscht dahin, während der Balg noch nachschwingt, so als hätte die linke Hand sich das längst selbst beigebracht. Solche Momente sammle ich in meinem Ziehharmonika-Tagebuch, und genau danach fragen mich andere Akkordeon-Anfängerinnen und Anfänger am häufigsten: Bringt Online-Lernen als Erwachsene überhaupt etwas, wenn Noten, Zeit und Geduld ohnehin knapp sind?
Kurzer Hinweis vorweg: In manchen Antworten unten verlinke ich Kurse, die ich selbst ausprobiert habe. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe nur über das, was tatsächlich bei mir auf dem Tablet gelandet ist.
Muss ich Noten lesen können, um anzufangen?
Nein, du musst keine Noten lesen können. Ich habe in der Schule nie ein Instrument gelernt und finde meinen Weg bis heute über sogenannte Griffschrift, ein Zahlen- und Pfeilsystem, das dir zeigt, welcher Knopf gemeint ist, ohne dass du ein Notenblatt entziffern musst. Verwirrend war am Anfang eher, dass eine diatonische Harmonika wechseltönig ist, beim Ziehen also einen anderen Ton spielt als beim Drücken, ein Thema für sich, das ich hier nicht weiter aufdröseln will. Bevor du einen Kurs aussuchst, würde ich trotzdem genau das prüfen: Arbeitet er mit Griffschrift oder mit klassischen Noten? Das entscheidet, ob du gleich mitspielen kannst oder erst eine neue Sprache lernen musst, bevor überhaupt ein Ton kommt.

Online-Lernen passt sich meinem Schichtdienst an
Eine feste Unterrichtszeit bei einer Musiklehrerin kam für mich nie infrage. Mal Frühschicht, mal Spätschicht, mal Nacht, wer soll da jeden Dienstag pünktlich zu einer festen Uhrzeit auftauchen? Online-Lernen in der Erwachsenenbildung ist dagegen einfach da, wenn ich Zeit habe, ob das ein freier Vormittag ist oder eine Nacht, in der ich noch zehn Minuten wach bin, bevor ich einschlafe. Niemand, der mich dabei bewertet, davon habe ich auf Station schon genug. Intuitives Spielen fühlt sich für mich inzwischen an wie das Greifen nach einer Kanüle: ein Muskelgedächtnis, das sich kaum von dem unterscheidet, was ich beruflich ohnehin trainiere. Wer sich fragt, ob das komplett ohne Lehrerin funktioniert, bei mir schon, weil ich mir die Struktur selbst aus einzelnen Lektionen zusammensuchen konnte, statt auf einen festen Termin angewiesen zu sein.
Drauflosspielen ohne System bringt nichts
Einfach drauflosspielen, ohne jegliches System, habe ich am Anfang ewig versucht. Es brachte nichts. Ich drückte Knöpfe wild durcheinander, ohne zu verstehen, warum manche Kombinationen überhaupt zusammen klingen, und irgendwann klang es nur noch nach Krach, egal wie oft ich es wiederholte. Erst ein strukturierter Kurs hat mir gezeigt, dass es dabei nicht um Talent geht, sondern um eine Reihenfolge, die aufeinander aufbaut. Der Ziehharmonika Anfängerkurs von Harmonicademy hat für mich funktioniert, weil er wie ein Nachschlagewerk aufgebaut ist, ich muss nicht alles der Reihe nach durcharbeiten, sondern springe zu der Lektion, an der ich gerade hänge, ob das nun die Sitzhaltung mit dem Instrument ist oder die Bewegung der rechten Hand über die Knopfreihen. Wer lieber flexibel bleiben will und auch mal in andere Instrumente hineinschnuppert, für den ist meineMusikschule Akkordeon mit seinem Abo-Modell vielleicht die passendere Wahl, bei mir war es die klare Kante eines einmaligen Kurses, die den Unterschied gemacht hat.

Die Bassknöpfe links: Warum sie am längsten brauchen
Acht Bassknöpfe, und lange fühlte sich jeder einzelne wie ein Fremdkörper an. Besonders der Moll-Bass hat mir Nerven gekostet, weil die linke Hand offenbar ihr eigenes Tempo hat und sich nicht einfach von der rechten mitziehen lässt. Wenn ich einen tiefen Akkord treffe, spüre ich die Schwingung mittlerweile im Brustkorb, noch bevor mein Ohr den Ton richtig einordnet, das war am Anfang seltsam, inzwischen ist es fast ein Signal, dass der Griff stimmt. Ein Onlinekurs kann dir die Basslinie der linken Hand zeigen und erklären, wie ein Wechselbass funktioniert, aber die Koordination zwischen beiden Händen und ein sauberes Taktgefühl bleiben Übungssache, die dir keine Lektion abnimmt. Neulich stand meine Nachbarin Ruperta, die eine Etage über mir wohnt und für alle Fälle einen Ersatzschlüssel zu meiner Wohnung hat, in der Tür und wollte wissen, welches Lied das gewesen sei, ich musste zugeben, dass ich es selbst nicht sicher wusste, weil der zweite Bassknopf sich gerade zum ersten Mal ganz von allein unter meinem Finger gefunden hatte.

Was, wenn die Finger nach der Schicht nicht mitmachen?
Dann übe ich kürzer, nicht härter. Nach einer Doppelschicht wollen sich die Finger manchmal einzeln gar nicht mehr bewegen, und an solchen Abenden reichen mir zehn Minuten, in denen ich nur eine einzige kurze Melodie nach Gehör suche, statt mich an einer ganzen Lektion abzuarbeiten. Zehn Minuten nach der Schicht bringen mehr als zwei Stunden an einem freien Tag, nach denen mir sowieso nur der Rücken wehtut. Ein falscher Ton auf der Ziehharmonika ist kein medizinischer Notfall, das sage ich mir bewusst, wenn der Tag auf Station schon anstrengend genug war. Du bist keine Profimusikerin und musst auch keine werden, du holst dir ein Stück Freude zurück, mehr nicht.
Pflege, Fehler und was am Ende bleibt
Salzige Luft von der Ostsee ist für die Stimmzungen im Inneren nicht besonders freundlich, das habe ich auf die harte Tour gelernt. Ich packe die Kleine seitdem sorgfältig weg, sobald ich fertig bin, und wer mehr zur Pflege bei Meeresluft wissen will, findet dort mehr dazu, die Tipps gelten genauso für jeden feuchten Keller oder jede zugige Wohnung, nicht nur für die Küste. Willst du draußen üben, im Garten oder unterwegs, brauchst du ohnehin Schutz vor Sand und Feuchtigkeit, ich habe selbst lange nach der richtigen Tasche gesucht, bevor ich fündig wurde. Zur Tastenbelegung oder zum Tremolo, dem leichten Schweben im Klang zweier Zungen, sage ich hier bewusst nichts Ausführliches, das sind eigene Themen, die anderswo besser aufgehoben sind.
Was am Ende bleibt, ist keine Musikausbildung und keine Antwort auf die Frage, was eine Subdominante ist, sondern ein Onlinekurs, der sich meinem Leben angepasst hat statt umgekehrt. Wenn du selbst mit einem Instrument mit 'etwas Traurigem' angefangen hast, kann derselbe Anfängerkurs von Harmonicademy ein guter erster Halt sein, bei mir hat genau diese Struktur aus Chaos eine Melodie gemacht.