Akkordeon Tragegurte richtig einstellen: Video-Tipps für Anfänger

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Ein Gurt, der stramm sitzt, fühlt sich nach Sicherheit an. Ein Gurt, der locker sitzt, fühlt sich nach Fehler an. Beim Akkordeon ist fast immer das Gegenteil richtig – und genau dieser Irrtum hat mir die Schultern ruiniert, bevor ich verstanden habe, was die Tragegurte eigentlich tun sollen.

Kurz zur Offenheit, bevor es weitergeht: Ein paar Links in diesem Text führen zu Kursen, und wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich verlinke nur, was mir selbst geholfen hat, meine Haltung am Akkordeon in den Griff zu bekommen.

Der Irrtum vom bombenfesten Tragegurt

Viele Anfänger denken, ein Instrument muss bombenfest am Körper sitzen, sonst rutscht es weg. Ich habe das genauso gedacht und die alten Lederriemen so weit zugezogen, wie sie gingen. Nach ein paar Minuten fühlten sich meine Schultern an, als hätte ich gerade jemanden umgelagert, der sich mit aller Kraft dagegenstemmt. Die Riemen schnitten in den Stoff, und das Atmen wurde flach.

Spielhaltung selbst ist ein eigenes Thema – hier geht es nur um das, was die Riemen falsch oder richtig machen.

Alte Ledergurte einer Ziehharmonika mit Gebrauchsspuren, bevor die Tragegurte richtig eingestellt wurden

Auf Station gilt eine einfache Regel: Wenn die Ergonomie am Bett nicht stimmt, ruiniert man sich irgendwann den Rücken, egal wie kräftig man ist. Beim Akkordeon ist es dieselbe Rechnung. Straffe Riemen wirken nach Kontrolle, kosten aber Beweglichkeit im Oberkörper, und ohne diese Beweglichkeit bleibt der Ton flach und die Melodie stockt genau an den Stellen, an denen sie fließen sollte.

Wie fest dürfen Akkordeon-Tragegurte wirklich sitzen?

Den entscheidenden Video-Tipp habe ich bei meineMusikschule gefunden: die sogenannte V-Position, bei der der rechte Riemen ein Stück länger eingestellt wird als der linke. Das Diskant-Gehäuse steht dadurch stabiler, und der Kopf bleibt frei, weil das Gewicht nicht mehr im Nacken hängt, sondern über die Rückenmuskulatur abgeleitet wird.

Die Regel dahinter lässt sich in drei Sätzen zusammenfassen: Der rechte Gurt sitzt länger als der linke, das Instrument hängt nicht lose vor dem Bauch, sondern liegt am Körper an, und keiner der beiden Riemen darf so fest sitzen, dass er die Brust einschnürt. Genau da liegt der Denkfehler, den fast jeder Anfänger macht – man verwechselt festen Sitz mit Sicherheit, dabei braucht der Balg schlicht Raum, um sich frei zu bewegen.

Bei unruhigen Patienten mache ich dieselbe Erfahrung: Wer zu fest zupackt, bekommt nur Widerstand zurück. Mit ein bisschen Spielraum lässt sich vieles leichter führen, am Krankenbett genauso wie an den Riemen.

Hände stellen die Tragegurte am Akkordeon in V-Position ein für eine entspannte Spielhaltung

Akkordeon-Ergonomie ist kein Thema nur für Profis

Der Kaffeedampf steigt noch in die kühle Luft, wenn ich es zum ersten Mal am Tag probiere, und genau in diesem ersten Versuch merkt man am meisten. Bei mir war es so: Der Zug am Balg wurde plötzlich weich, noch bevor ich es überhaupt gehört habe, kein Ziehen mehr im Nacken, nur noch der Ton. Balgkontrolle selbst ist ein eigenes Kapitel, das hier keinen Platz hat, aber ohne die richtigen Riemen kommt man dort gar nicht erst hin.

Eine Bekannte aus der Nachbarschaft schwimmt fast jeden Morgen in der Neptun-Badeanstalt, bevor sonst irgendwer wach ist. Sie hat mal gesagt, dass sie erst richtig vorankam, als sie aufgehört hat, gegen das Wasser zu kämpfen. Genau das gilt für die Gurte auch: Wer dagegen ankämpft, verliert Kraft, die eigentlich in die Melodie gehört, nicht in den Kampf mit dem Leder.

Getestet habe ich die neue Einstellung nicht nur zu Hause. Ich bin mit der Kleinen die Strandpromenade in Warnemünde entlanggegangen, den Riemen bewusst locker gelassen, und erst dort, im Wind von der See, merkt man, ob das Gewicht wirklich auf dem Rücken liegt oder doch wieder zurück in den Nacken wandert.

Stell die Gurte richtig ein, bevor du weiterübst

Bevor ich das Video bei meineMusikschule gefunden habe, hatte ich es mit einer App probiert, die eigentlich für Gitarrenanfänger gemacht war. Die Übungen dort gingen von einem Instrument aus, das man vor dem Bauch hält und nicht auf dem Rücken trägt, und keine einzige Lektion sagte etwas über Riemen oder Balg. Für Musik lernen im Alter, ohne Vorkenntnisse und ohne Lehrerin nebenan, ist so ein allgemeiner Online-Akkordeon-Kurs manchmal wenig wert, weil er das eigentliche Instrument gar nicht im Blick hat. Ich nutze weiterhin den Kurs von meineMusikschule, vor allem weil sich das Abo flexibel um meinen Dienstplan legen lässt und ich nicht an feste Termine gebunden bin.

Ein paar Dinge gehören noch dazu, wenn die Gurte stimmen sollen. Leder wird spröde, wenn man es falsch lagert, deshalb lohnt sich ein Blick darauf, wie man eine Ziehharmonika richtig lagern sollte. Wer sich außerdem fragt, ob er überhaupt geschickt genug ist, um damit klarzukommen, findet in dem Text über die Angst vor falschen Tönen verlieren ein paar ehrliche Gedanken dazu. Und selbst meine kurzen Fingernägel aus der Klinik waren nie das eigentliche Problem – erst mussten die Riemen stimmen, dann konnten die Hände überhaupt frei genug arbeiten, um an irgendetwas anderem noch zu üben.

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