
Der Bass-Knopf unter meinem kleinen Finger rutscht weg, mitten im Takt, und die Melodie kippt in ein schiefes Nichts. Ich lege den Balg für einen Moment ab, atme durch und fange von vorn an – auf der Kardiologie-Station, wo ich meine Schichten schiebe, würde ich das einen Reflex nennen: nicht aufgeben, einfach nochmal von vorn. Genau darum geht es, wenn mich jemand fragt, wie man beim Ziehharmonika lernen die Motivation behält, obwohl der Dienstplan aussieht wie ein Zufallsgenerator und so ein Schichtdienst-Hobby sich sein Zeitfenster jeden Tag neu suchen muss.
Ein Hinweis vorab, weil er hierhergehört: Ich habe im Lauf der Zeit ein paar Online-Kurse ausprobiert, die mir in diesem Chaos etwas Struktur gegeben haben, und wenn du über einen Link in diesem Artikel etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es dich mehr kostet. Ich empfehle nur, was ich selbst getestet habe – die vollständige Offenlegung findest du hier.
Der Mythos vom festen Übungsplan beim Ziehharmonika lernen
Der Mythos hält sich hartnäckig: Ohne festen Übungsplan zur immer gleichen Uhrzeit, heißt es, verliert man zwangsläufig die Motivation – ganz gleich, ob es um eine diatonische Ziehharmonika oder ein anderes Instrument geht. Das stimmt so nicht, jedenfalls nicht für Leute wie mich, die im Wechsel aus Früh-, Spät- und Nachtdienst leben. Ich habe nie einen Tagesplan gehabt und spiele trotzdem regelmäßig – nur eben nie zur gleichen Zeit.

Warum eine feste Tageszeit im Schichtdienst nicht funktioniert
Schichtdienst kennt keine Wochentage, wie sie in den meisten Ratgebern vorausgesetzt werden. Mal ist um sieben Uhr morgens Feierabend, mal beginnt der Dienst, wenn andere schon schlafen. Ein Ratgeber, der verlangt, jeden Abend zur selben Stunde die Ziehharmonika in die Hand zu nehmen, geht an der Realität von Pflegepersonal, Kellnerinnen oder jedem im Drei-Schicht-System komplett vorbei.
Elsbeth, meine Kollegin von der Frühschicht, hat mich neulich zwischen zwei Übergaben leise gefragt, ob die Kleine schon etwas Neues gelernt hat, ohne ein großes Ding daraus zu machen. Genau solche beiläufigen Momente sind es, die die Motivation eigentlich tragen – nicht der Kalendereintrag.
Zehn Minuten reichen – wenn du sie wirklich nimmst
Zehn Minuten sind kein Kompromiss, sie sind der eigentliche Trick. Wer sich eine Stunde am Tag vornimmt, hat bei einem Dienstplan wie meinem schon verloren, bevor er angefangen hat. Zehn Minuten dagegen gehen fast immer – zwischen zwei Aufgaben, bevor der Kaffee überhaupt durchgelaufen ist.
Ich habe gelernt, dass bequemes Ziehharmonika-Spielen wichtiger ist als jede Idee von täglicher Perfektion, sonst verkrampfe ich nach einer Doppelschicht nur noch mehr, und aus zehn guten Minuten werden zehn frustrierende.
Rhythmus üben braucht dabei erstaunlich wenig Kopf. Zehn Minuten nach der Nachtschicht reichen locker für reine Taktarbeit, weil man sich dabei nicht auf einzelne Töne konzentrieren muss, sondern nur auf Wiederholung – genau das, was übermüdete Finger noch hinbekommen, wenn für ganze Melodien längst nichts mehr übrig ist.

Ein Kurs mit festen Terminen, der bei mir nicht funktioniert hat
Einen Versuch mit einer Musikschule in Rostock habe ich hinter mir, mit festen wöchentlichen Terminen und einer Lehrerin, die ihre Stunden verständlicherweise nicht um meinen Dienstplan herum verschieben konnte. Es war ein teurer Kurs, und ich habe am Ende mehr Termine abgesagt als wahrgenommen, bis ich ihn ganz aufgegeben habe. Das war kein Motivationsproblem, das war ein Terminproblem.
Was stattdessen half, war Struktur ohne Termin: ein Ziehharmonika Anfängerkurs von Harmonicademy mit 21 strukturierten Lektionen, die ich mir einteilen kann, wie es gerade passt – morgens nach der Nachtschicht oder abends vor der Spätschicht. Dort habe ich zum ersten Mal verstanden, wie man Balgkontrolle lernen kann, ohne dass es wie eine sterbende Ente klingt.
Keine Noten, keine feste Unterrichtsstunde nötig
Heinrich Grabow, ein Leser aus Stralsund, der selbst spät mit dem Akkordeon angefangen hat, nennt das, was andere Griffschrift nennen, bei sich konsequent "das Keilschriften-Problem", und ganz unrecht hat er damit nicht, bis man sich daran gewöhnt hat. Noten waren für mich ohnehin keine Option, dafür fehlt mir schlicht die Ausbildung.
Auch der Fingersatz für die rechte Hand lässt sich ohne Lehrerin erarbeiten, wenn man bereit ist, langsam zu bleiben. Der Bass-Knopf für die linke Hand dagegen sitzt bei mir bis heute nicht zuverlässig, und ich habe aufgehört, mich deswegen zu ärgern.
So bleibt die Motivation, wenn die Schicht dazwischenfunkt
Manchmal ist die Zehn-Minuten-Einheit auch nur ein Spaziergang am Ostseestrand bei Markgrafenheide, bei dem ich mir im Kopf schon zurechtlege, welchen Ton ich als Nächstes suchen will, bevor die Ziehharmonika überhaupt aus der Tasche kommt. Das zählt genauso.
Die Nachbarin hat mich neulich am Briefkasten abgepasst und gesagt, es habe abends richtig schön geklungen, dieselbe Nachbarin, die sich am Anfang bitterlich über den Krach beschwert hat. Mehr Bestätigung braucht die Motivation eigentlich nicht.

Wer im Schichtdienst anfangen will und nach etwas mit klarer Linie sucht, für den war bei mir der Einsteigerkurs von Harmonicademy genau richtig, weil er mir die Entscheidungen abgenommen hat, die nach einer Doppelschicht sowieso niemand mehr treffen will. Wer stattdessen lieber flexibel bleibt und mal in andere Instrumente reinhören will, für den ist meineMusikschule Akkordeon mit seinem Abo-Modell vielleicht die bessere Wahl.
Wie viele Lieder du am Schluss beherrschst oder ob du je vor Publikum spielst, spielt für die Motivation keine Rolle. Die einzige Routine, die wirklich hält, ist diese: Halte das Instrument griffbereit statt im Koffer, plane eine Woche statt einen Tag, und nimm zehn Minuten, wann immer sie sich ergeben, nicht wann ein Ratgeber es vorschreibt.