Gedächtnistraining mit dem Akkordeon: Wie ich mir neue Griffe besser merke

Es ist kurz nach Mitternacht. Die Kardiologie war heute ein einziges Rauschen aus Alarmtönen und eiligen Schritten, aber hier in Warnemünde, in meiner kleinen Küche, ist es endlich still. Ich höre nur das tiefe, gleichmäßige Atmen meines Hundes unter dem Tisch und das leise Pfeifen des Windes, der von der Ostsee herüberdrückt. Ich greife nach der Kleinen – meiner zweireihigen Ziehharmonika, die ich vor acht Monaten für 45 Euro in Güstrow gefunden habe – und ziehe den Balg auf.

Hinweis: Mein Tagebuch enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links einen Kurs kaufst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich teile hier nur Dinge, die ich selbst – Woche für Woche, wie ihr an meinen Sonntagsnotizen seht – ausprobiert habe. Hier ist meine Offenlegung.

Der Geruch von altem Holz und ein ganz klein wenig Staub schlägt mir entgegen, sobald ich den ersten Akkord ziehe. Es ist ein vertrauter Duft geworden, eine Brücke zwischen dem Stress auf Station und der Ruhe hier zu Hause. Aber heute wollen die Finger nicht so recht. Mein Kopf weiß eigentlich, wo das G-Dur im Bass liegt, aber meine Hand zögert. Es ist ein seltsames Phänomen: Auf Arbeit kann ich mir hochkomplexe Dosierungen von Betablockern oder die Zimmernummern von zwanzig Patienten merken, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber wehe, ich soll blind den dritten Knopf in der zweiten Reihe finden.

Das Rätsel des Muskelgedächtnisses: Warum der Kopf manchmal streikt

Ich nenne es mein 'Pflege-Gehirn'. Es ist darauf trainiert, in Checklisten zu denken. Aber die Musik ist anders. Wenn ich nach einer Spätschicht nach Hause komme, fühlen sich meine Finger oft an, als gehörten sie jemand anderem. Sie sind steif vom Desinfizieren und vom Hantieren mit Infusionsschläuchen. Wenn ich dann versuche, eine neue Melodie zu lernen, die ich am Mittwoch eigentlich schon drei Minuten lang halbwegs hinbekommen hatte, ist sie manchmal einfach weg. Gelöscht.

Letzten Mittwoch saß ich fast vierzig Minuten lang hier und habe verzweifelt nach einer einfachen Tonfolge gesucht. Ich dachte schon, ich werde alt oder mein Gedächtnis verlässt mich. Bis ich merkte, dass ich die Ziehharmonika nur ganz leicht schräg hielt. Ein paar Zentimeter Verschiebung, und schon landete mein Zeigefinger auf dem falschen Knopf. Es ist genau wie beim Blutabnehmen: Wenn der Winkel nicht stimmt, trifft man die Vene nicht, egal wie gut man sie tasten kann. Das Muskelgedächtnis ist eine Mimose.

Nahaufnahme von Händen auf den Knöpfen einer alten Ziehharmonika im sanften Morgenlicht.

Kurze Intervalle gegen die Steifheit: Mein Weg bei beginnender Arthritis

Ein Problem, über das ich anfangs kaum nachgedacht habe, sind meine Gelenke. Nach zwanzig Jahren im Schichtdienst merke ich morgens oft eine gewisse Steifheit in den Fingern. Standard-Tipps zum Auswendiglernen von Noten sagen oft: 'Übe eine Stunde am Stück, bis es sitzt.' Aber das schaffe ich nicht. Meine Knöchel fangen an zu pochen, und die Konzentration lässt nach der Station sowieso rapide nach.

Ich habe für mich entdeckt, dass kurze, intensive Intervalle viel effektiver sind. Zehn Minuten vor dem Schlafengehen, mehr nicht. In diesen zehn Minuten konzentriere ich mich nur auf eine einzige Bewegung – zum Beispiel den Wechsel zwischen Zug und Druck. Da meine Ziehharmonika wechseltönig ist, kommt beim Drücken ein anderer Ton heraus als beim Ziehen, obwohl ich denselben Knopf drücke. Das ist für das Gehirn Schwerstarbeit.

Anstatt mich mit stundenlangen Übungseinheiten zu quälen, die meine Gelenke nur unnötig belasten, setze ich auf Wiederholungen im 'Schonmodus'. Ich habe gemerkt, dass mein Gedächtnis die Griffe viel besser speichert, wenn ich aufhöre, bevor der Schmerz kommt. Das ist wie bei der Mobilisation von Patienten: Lieber öfter kurz aufstehen als einmal am Tag bis zur totalen Erschöpfung. Wenn ich Ziehharmonika üben bei Schichtarbeit sinnvoll gestalten will, muss ich auf meinen Körper hören.

Struktur im Chaos: 21 Schritte zum Erfolg

Anfangs habe ich wahllos YouTube-Videos geschaut. Mal dies, mal das. Das Ergebnis war Chaos im Kopf. Mein Gedächtnis braucht Struktur, genau wie ein Übergabeprotokoll auf der Kardiologie. Im frühen Frühling, als die ersten Krokusse auf meiner Terrasse in Warnemünde zu sehen waren, habe ich gemerkt, dass ich so nicht weiterkomme. Ich brauchte einen Plan, der meine müden Finger an die Hand nimmt.

Ich habe dann mit dem /r/ziehharmonika-anfaengerkurs angefangen. Das Besondere daran sind die 21 strukturierten Lektionen. Für jemanden wie mich, der keine Noten kann und spät im Leben anfängt, ist das wie eine Erlösung. Es gibt genau 21 Knöpfe auf der Melodieseite meiner Kleinen, und der Kurs führt einen Schritt für Schritt durch das System. Man lernt nicht 100 Dinge gleichzeitig, sondern immer nur einen neuen Griff.

Diese Linearität hilft meinem Gedächtnis enorm. Ich weiß jetzt: Erst kommt Lektion 4, dann Lektion 5. Wenn ich nach einer Doppelschicht die Finger kaum einzeln bewegen kann, hilft mir diese klare Vorgabe. Ich muss nicht nachdenken, was ich üben soll. Ich mache einfach da weiter, wo ich aufgehört habe. Wer effektiv zweireihige Ziehharmonika lernen möchte, kommt um so eine Struktur kaum herum.

Der 'Gute Schmerz' und die Belohnung am Sonntagmorgen

Heute ist wieder so ein Sonntagmorgen. Der Kaffee dampft in meiner alten Tasse, der Hund schläft mir zu Füßen, und ich reflektiere die letzte Woche. Ich spüre ein leichtes Ziehen in meinem linken Unterarm – ein ganz spezieller Schmerz, der nichts mit dem Heben von Patienten zu tun hat. Es ist ein 'guter' Schmerz, das Zeichen, dass sich neue Muskeln und neue Nervenbahnen bilden. Ein Zeichen von Fortschritt.

Ich habe diese Woche gelernt, den Moll-Bass endlich blind zu finden. Es hat gedauert, und ich habe oft daneben gegriffen, was die Nachbarin anfangs sicher wieder geärgert hätte (inzwischen grüßt sie mich sogar wieder freundlich im Treppenhaus). Aber das Gefühl, wenn der Finger plötzlich wie von selbst auf den richtigen Knopf wandert, ist unbezahlbar. Es ist, als würde sich ein Schalter im Kopf umlegen.

Wenn du auch merkst, dass dein Gedächtnis beim Lernen bockt, oder wenn deine Hände nach der Arbeit einfach müde sind, dann versuch es mal mit weniger Druck. Das Geheimnis beim Meistern von Druck und Zug liegt oft in der Geduld mit sich selbst. Manchmal hilft es auch, sich ein wenig Unterstützung zu holen, die einen nicht überfordert.

Ich schaue meinen Hund an und frage mich, ob er die Melodie vom Mittwoch wiedererkennt oder ob er einfach nur froh ist, dass ich aufgehört habe, den falschen Bassknopf zu quälen. Er wedelt kurz mit dem Schwanz und schläft weiter. Ein gutes Zeichen, denke ich.

Falls du auch gerade erst anfängst und dich fragst, wie du das alles behalten sollst: Schau dir mal den Kurs an, mit dem ich arbeite. Der /r/ziehharmonika-anfaengerkurs ist gerade für uns, die wir wenig Zeit und vielleicht auch nicht mehr die flinkesten Finger haben, eine tolle Hilfe. Die aktuellen Konditionen findest du direkt auf der Seite des Anbieters – sie ändern sich manchmal, aber für mich war es die beste Investition seit den 45 Euro auf dem Trödelmarkt. Es gibt einem die Sicherheit, die man braucht, wenn man nachts um halb eins allein mit seinem Instrument in der Küche sitzt.

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