Akkordeon Melodien begleiten lernen: Meine Erfahrungen mit dem Onlinekurs

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Es ist halb eins nachts. Die Station war heute besonders unruhig, die Monitore haben gefühlt ohne Pause gepiept, und mein Nacken fühlt sich an wie Beton. Ich sitze hier in meinem kleinen Wohnzimmer in Warnemünde, das Fenster einen Spalt offen, damit die kühle Ostseeluft hereinweht, und habe 'die Kleine' auf dem Schoß. Dieser leicht staubige Geruch des alten Balgs, der mir bei jedem Zug entgegenweht, vermischt mit dem Duft von meinem letzten Becher Kaffee – das ist mein Moment zum Runterkommen.

Ich bin kein Musiker. Ich bin 42, Krankenschwester, und habe vor acht Monaten in Güstrow auf einem Trödelmarkt 45 Euro für dieses Instrument ausgegeben. Es stand da zwischen einem Kupferkessel und einer Briefmarkensammlung und sah einfach traurig aus. Ich hatte keinen Plan, keine Notenkenntnisse, nur dieses Gefühl, dass ich mal etwas lernen will, das nichts mit Patientenakten zu tun hat. Heute, nach Monaten des Herumprobierens, habe ich endlich verstanden, was es bedeutet, eine Melodie wirklich zu begleiten.

Hinweis: Mein Tagebuch hier enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links einen Kurs buchst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich schreibe hier nur über Dinge, die ich sonntags bei meinem Kaffee wirklich selbst ausprobiert habe und die mir nach dem Schichtdienst helfen. Hier ist meine Offenlegung.

Der holprige Start ohne Fahrplan

Anfangs dachte ich, ich drücke einfach ein paar Knöpfe und es wird schon passen. Meine kleine Ziehharmonika hat zwei Melodiereihen und auf der linken Seite genau 8 Standard-Bassknöpfe. Das klingt überschaubar, oder? Aber in den ersten Wochen war es pures Chaos. Ich habe versucht, die C-Dur Tonleiter zu spielen, habe aber völlig vergessen, dass dieses Ding wechseltönig ist. Der Ton beim Ziehen ist ein anderer als beim Drücken. Es gab ein schiefes Quäken, das so laut war, dass meine Nachbarin tatsächlich einmal gegen die Wand geklopft hat. Das war der Moment, in dem ich merkte: Ich brauche Hilfe, die zu meinem Leben passt.

Ich kann nicht dienstags um 16 Uhr zu einer Musikschule fahren. Wenn ich Spätschicht habe, schlafe ich da gerade erst richtig aus oder bereite mich auf die Übergabe vor. Deshalb habe ich mich Ende Februar, als es draußen noch so richtig grau und ungemütlich war, nach einer digitalen Lösung umgesehen. Etwas, das ich nachts um eins oder sonntagsmorgens machen kann, wenn der Hund noch unter dem Stuhl schnarcht.

Nahaufnahme von Händen auf den Knöpfen einer zweireihigen Ziehharmonika.

Warum ich beim Ziehharmonika Anfängerkurs gelandet bin

Ich bin über den Ziehharmonika Anfaengerkurs (Harmonicademy) gestolpert. Was mich sofort abgeholt hat: Ich brauchte keine Noten. In meinem Job muss ich schon genug Tabellen und Werte lesen, da wollte ich nicht auch noch Hieroglyphen auf Papier entziffern. Der Kurs ist in 21 Lektionen aufgeteilt, die ganz linear aufeinander aufbauen. Das ist wie eine gute Stationsroutine – man weiß genau, was als Nächstes kommt.

Besonders hilfreich war für mich, dass man lernt, wie man von Zufallstönen zum ersten Lied kommt, ohne sich zu überfordern. Ich habe mit der ersten Lektion angefangen und erst mal nur gelernt, wie man den Balg führt, ohne dass es klingt wie eine sterbende Möwe. Es ist faszinierend, wie viel Ruhe das ins Gehirn bringt, wenn man sich nur auf diese eine Bewegung konzentriert. Wer es lieber etwas flexibler mag oder vielleicht auch mal in andere Instrumente reinschnuppern will, für den könnte auch meineMusikschule Akkordeon interessant sein, aber für meine kleine Zweireihige war der spezialisierte Fokus der Harmonicademy genau richtig.

Das Problem mit den Schultern: Mein ganz persönlicher Kampf

Hier kommt etwas, das ich in keinem offiziellen Ratgeber so richtig gelesen habe. Wenn man über 40 ist und den ganzen Tag Patienten lagert oder Akten schleppt, sind Schultern und Nacken sowieso schon eine Schwachstelle. Die Ziehharmonika wiegt zwar nicht die Welt, aber die einseitige Belastung beim Halten hat mir anfangs echt zugesetzt. Ich habe oft nach zehn Minuten abgebrochen, weil mein linker Arm schwer wurde wie Blei.

Ich habe dann angefangen, meine Übungseinheiten wie meine Pausen im Krankenhaus zu behandeln: Kurz, intensiv, aber mit Fokus auf die Haltung. Ich setze mich jetzt immer ganz gerade auf die Kante meines Küchenstuhls. Ich merke richtig, wie sich die Verspannung in meinen Schultern langsam löst, wenn ich mich voll auf den Rhythmus der Bassknöpfe konzentriere. Es ist fast wie eine Meditation. Wenn ich merke, dass ich verkrampfe, lege ich 'die Kleine' weg. Es bringt nichts, sich durch Schmerzen zu quälen, das machen wir auf Station schon genug.

Ein kleiner Tipp für alle, die auch im Schichtdienst arbeiten: Ich habe mir angewöhnt, das Üben bei Schichtarbeit sehr kleinteilig zu gestalten. Manchmal sind es nur fünf Minuten, in denen ich nur die linke Hand trainiere. Nur den Wechsel zwischen Bass und Akkord. Ohne Melodie. Einfach nur das Muskelgedächtnis füttern, so wie man nach tausend Mal Blutabnehmen auch nicht mehr darüber nachdenkt, wie man die Nadel hält.

Ein gemütlicher Übungsplatz mit Ziehharmonika und einem schlafenden Hund unter dem Stuhl.

Der Durchbruch an einem Sonntagmorgen im Mai

Ich erinnere mich noch genau an einen Sonntag im Mai. Die Sonne kam gerade über die Dächer von Warnemünde, der Kaffee dampfte, und ich war bei Lektion 12 des Kurses. Es ging darum, die rechte Hand (die Melodie) mit der linken Hand (dem Bass) zu verknüpfen. Bisher war das immer ein Kampf: Entweder hat die rechte Hand das gemacht, was sie sollte, oder die linke. Beides zusammen? Völlige Blockade im Kopf.

Aber an diesem Morgen passierte es. Ich spielte eine ganz einfache Weise, die ich am Mittwoch zuvor drei Minuten lang halbwegs hinbekommen hatte. Und plötzlich 'rasteten' die 8 Bassknöpfe ein. Mein linker kleiner Finger fand den Wechselbass, während die rechte Hand auf den zwei Reihen die Melodie hielt. Es war kein langes Stück, vielleicht drei Minuten, aber es fühlte sich zum ersten Mal wie echte Musik an. Nicht wie eine Übung, sondern wie ein Lied.

Das ist das Schöne an diesem Online-Anfängerkurs: Man kann diese eine Stelle in der Video-Lektion einfach fünfzig Mal hintereinander anschauen. Keiner ist genervt, keiner verdreht die Augen. Man lernt, wie man die wechseltönige Ziehharmonika bändigt, indem man Druck und Zug ganz gezielt einsetzt. Wenn du mehr auf die klassische Steirische stehst, wäre vielleicht das Harmonicademy Abo-Modell eine Option, aber für den Einstieg mit meiner 45-Euro-Trödelmarktfunde-Kiste war der strukturierte Anfängerkurs Gold wert.

Was ich heute anders mache

Jetzt, Ende August, blicke ich auf acht Monate zurück. Ich bin immer noch keine Musikerin. Ich kann immer noch keine Noten lesen. Aber ich kann mich nach einer Doppelschicht hinsetzen und etwas Schönes erschaffen. Meine Finger, die sich am Ende einer Schicht oft kaum noch einzeln bewegen wollen, werden durch das Spiel wieder beweglich. Es ist ein tolles Gedächtnistraining für die Griffe.

Was ich gelernt habe:

Wenn du auch so ein Instrument zu Hause hast und dich bisher nicht getraut hast: Fang einfach an. Such dir einen Weg, der keinen Druck macht. Für mich war es dieser Kurs, aber es gibt viele Möglichkeiten. Schau dir die aktuellen Konditionen auf der Seite des Anbieters an, die ändern sich ja manchmal, aber der Wert, den es mir für meinen Seelenfrieden nach der Arbeit gibt, ist eh nicht in Zahlen zu fassen. Jetzt klappe ich mein Tagebuch zu, trinke den kalten Rest Kaffee und gehe schlafen. Morgen ist wieder Frühschicht.

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