Mietwohnung & Akkordeon: Wie ich leise Töne fand nach der Nachtschicht

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Sechs Antworten standen unter meinem Beitrag in einem Ziehharmonika-Forum, nachdem ich dort zum ersten Mal nach Rücksicht auf die Nachbarn in meiner Mietwohnung gefragt hatte – und keine einzige passte zu meinem Alltag als Krankenschwester in Warnemünde. „Übe leiser", schrieb einer. „Kauf dir einen Dämpfer", ein anderer. Niemand schrieb, wie das gehen soll, wenn man um halb eins von der Spätschicht kommt und die Kleine trotzdem noch zehn Minuten in der Hand halten will, bevor der Kopf zur Ruhe kommt.

Hinweis vorab: In diesem Text verlinke ich auch auf Kurse, die ich selbst ausprobiert habe, teils über Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe nur über das, was zwischen zwei Nachtschichten bei mir tatsächlich funktioniert hat – oder eben nicht.

Was mir in diesem Forumsthread fehlte, war eine einfache Unterscheidung. Es gibt zwei völlig unterschiedliche Wege, um in einer Mietwohnung leise Ziehharmonika zu üben, und die meisten Ratschläge vermischen sie hoffnungslos. Der eine Weg verändert, wie ich spiele. Der andere verändert nur, wo und wann ich spiele. Beide haben bei mir funktioniert – aber nicht gleich gut, und nicht zur gleichen Zeit im Schichtplan.

Anfänger-Tipps für die Mietwohnung: Technik oder Dämmung?

Ohne Lehrerin und ohne jede Vorkenntnis blieb mir am Anfang nichts anderes übrig, als beide Wege gleichzeitig auszuprobieren, einfach weil ich nicht wusste, welcher überhaupt der richtige ist. Eine Diatonische Ziehharmonika ist von ihrer Bauart her kein leises Instrument, das musste ich erst lernen. Drückt man den Balg zu vorsichtig zusammen, klingt der Ton dünn und kränklich. Spielt man normal, hört man es zwei Zimmer weiter, und in einer Mietwohnung ist das nächste Zimmer oft nicht meins.

Nahaufnahme von Händen an den Knöpfen einer Ziehharmonika – leise üben in der Mietwohnung ohne die Nachbarn zu stören

Warum mir das so wichtig war, habe ich vor einer Weile schon in Entspannung nach der Nachtschicht aufgeschrieben. Die Kleine ist für mich kein Hobby, das warten kann, bis die Nachbarn im Urlaub sind. Sie ist das, was zwischen Dienstschluss und Einschlafen steht, und genau deshalb musste ich beide Wege wirklich verstehen, nicht nur einen davon.

Weg eins: Technik, die den Ton von innen leiser macht

Der erste Weg war für mich der Ziehharmonika Anfängerkurs von Harmonicademy, weil er von Anfang an auf Balgführung setzt statt auf Tempo. Dort habe ich zum ersten Mal verstanden, dass Lautstärke bei mir fast immer aus Unsicherheit kam. Wenn ich nicht genau wusste, wo der nächste Bassknopf liegt, wurde meine Bewegung hastig, und hastig ist bei diesem Instrument automatisch laut.

Neulich fand mein kleiner Finger den zweiten Bassknopf, ohne dass ich überhaupt hingeschaut habe – er rutschte einfach an die richtige Stelle, so, als hätte er sich das längst selbst gemerkt. Die Basslinie in der linken Hand ist immer noch das, was mich am meisten fordert, und gerade der Wechselbass entscheidet bei mir zwischen einem Rhythmus, der trägt, und einem, der nur aus dem Takt gerät. Am Anfang war übrigens nicht die Lautstärke der Ziehharmonika mein größtes Problem, sondern mein eigenes Taktgefühl – mein Fuß wippte mit, und dieses Klopfen hat sich lauter durch den Boden übertragen als jeder Ton aus dem Balg.

Meine Sitzhaltung ist inzwischen so selbstverständlich geworden, dass ich sie kaum noch bewusst korrigiere, und auch das macht einen Unterschied: Wer verkrampft sitzt, reißt eher am Balg. Es ist am Ende eine Frage der Handkoordination zwischen beiden Seiten, mehr als eine Frage von purer Kraft – ein bisschen wie beim Anlegen einer Blutdruckmanschette nachts auf Station, wo zu viel Druck genauso wenig hilft wie zu wenig.

Was mir aus dem Kurs am meisten hängen geblieben ist, war die gezielte Arbeit an der Balgkontrolle – also daran, so wenig Luft wie möglich für einen sauberen Ton zu brauchen. Dazu kommt eine weiche Unterlage unter dem Übestuhl gegen den Körperschall, und ein offenes Wort an die Menschen nebenan, die meistens mehr Verständnis haben, als man denkt, wenn sie wissen, dass es nur zehn Minuten am Tag sind.

Weg zwei: Dämmung und Timing, wenn Technik allein nicht reicht

Der zweite Weg hat nichts mit meinem Spiel zu tun, sondern mit dem Drumherum: wann ich übe, wie ich sitze, was zwischen mir und der Wand ist. An einem Mittwochabend nach der Schicht habe ich das besonders deutlich gemerkt, weil ich zu müde für saubere Balgführung war und trotzdem üben wollte – da half nur noch Rücksicht auf die Uhrzeit, nicht auf die Technik.

Ruperta, die eine Etage über mir wohnt, hat mich neulich im Treppenhaus gefragt, ob ich mir einen neuen Teppich gekauft hätte, weil sie schon eine ganze Weile nichts mehr von der Ziehharmonika gehört habe. Das war keine Beschwerde, nur echte Neugier, und es hat mir mehr gesagt als jeder Ratschlag aus dem Forum: Timing und ein bisschen Dämmung wirken manchmal schneller als jede Übung.

Für alle, deren Dienstplan sich ständig ändert, könnte gerade deshalb auch meineMusikschule Akkordeon interessant sein – die Module lassen sich ohne festen Rhythmus durcharbeiten, was bei unregelmäßigen Schichten mehr wert ist als ein perfekt durchgeplanter Lehrplan.

Zwei Wege, ein Ziel: wann Technik zählt und wann Dämmung genügt

Wenn ich Zeit und einen klaren Kopf habe, arbeite ich an der Technik, weil sie bleibt und mit jeder Übung leiser wird. Wenn ich nach einer Doppelschicht nur noch zehn Minuten will, verlasse ich mich lieber auf Timing und Dämmung, weil das keine Konzentration braucht – nur eine Matte, dicke Socken und ein Gefühl dafür, wie spät es eigentlich noch ist.

Margret aus Lübeck, die mir öfter schreibt, hat ein deutlich schwereres Instrument aus dem Pfandhaus, und bei ihr verschiebt sich das Verhältnis noch mehr Richtung Dämmung und Timing, weil die reine Balgtechnik bei einem größeren Akkordeon einfach länger braucht, bis sie sitzt. Sie nimmt das erstaunlich gelassen und sagt, langsamer Fortschritt sei trotzdem Fortschritt. Ein gebrauchtes Instrument wie ihres oder wie meins braucht außerdem etwas Pflege, bevor es überhaupt zuverlässig leise und sauber klingt, aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Tag.

Bleibt die Frage, was ich jemandem raten würde, der in einer Mietwohnung anfängt und Angst vor der ersten Beschwerde hat: Fang trotzdem an. Der Ziehharmonika Anfängerkurs ist für mich der Anker geblieben, der verhindert, dass mein Üben in reinem Lärm endet, aber er ersetzt nicht das Gespräch mit den Nachbarn und ein bisschen Rücksicht auf die Uhrzeit. Wer zusätzlich noch Austausch mit anderen sucht, die dasselbe Problem kennen, findet das eher im Harmonicademy Abo, wo sich Anfängerinnen wie ich genau über solche Alltagsfragen austauschen.

Ich bin keine Musikerin und werde wahrscheinlich auch keine mehr, aber die Kleine vom Flohmarkt in Güstrow bleibt das, was mir zwischen zwei Schichten gehört. Es geht nicht darum, das ganze Haus zu beschallen. Es geht darum, für zehn Minuten leise genug zu sein, dass niemand außer mir merkt, wie viel sich in diesen zehn Minuten gerade verändert.

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