Spät in der Nacht, nach einer langen Schicht auf der Kardiologie, saß ich mit schweren Beinen am Küchentisch. Der Laptop leuchtete mich grell an, der Hund schnarchte leise unter meinem Stuhl, und vor mir lag meine kleine Flohmarktharmonika. Ich starrte auf den ersten Takt eines Lehrvideos und fragte mich zum zehnten Mal, was ich hier eigentlich tat.
Ein kleiner, ehrlicher Hinweis vorweg: In diesem Bericht findest du Affiliate-Links. Wenn du dich über diese Links für ein Angebot entscheidest, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis natürlich gar nichts. Ich schreibe hier ausschließlich über Kurse und Dinge, die ich sonntags mit müden Händen auf meiner Terrasse selbst ausprobiert und durchlitten habe.
Warum Schichtdienst und normale Musikschulen sich nicht vertragen
Wenn man im Drei-Schicht-System arbeitet, funktioniert das normale Leben oft nur auf dem Papier. Ein fester Termin jeden Dienstag um siebzehn Uhr an der städtischen Musikschule? Völlig ausgeschlossen. Mal habe ich Spätdienst, mal Frühdienst, mal hänge ich am Wochenende auf Station fest. Wer Patienten nach Herzinfarkten versorgt, weiß, dass der Feierabend selten planbar ist.
Ich brauchte etwas, das um halb zwei nachts funktionierte. Ohne strafende Blicke eines Lehrers, wenn ich drei Tage hintereinander gar nichts geschafft hatte. Ende Februar entschied ich mich deshalb für das monatliche Modell bei meineMusikschule für Akkordeon. Mir war wichtig, keinen Jahresvertrag an der Backe zu haben. Wer weiß schon als absolute Anfängerin mit 42 Jahren, ob man in sechs Monaten überhaupt noch die Puste für so ein Instrument hat?
Die Anmeldung war unkompliziert. Auf der Plattform gab es deutsche Videos, eine aufgeräumte Oberfläche und vor allem die Freiheit, genau dann auf Play zu drücken, wenn mein Kopf nach dem Dienst noch zehn Minuten Aufnahmefähigkeit hergab.
Das Missverständnis zwischen Tasten und Knöpfen
Die ersten Lektionen fühlten sich ermutigend an. Der Lehrer im Video erklärte ruhig, wie man sitzt, wie die Riemen eingestellt werden sollten und wie man den Oberkörper entspannt hält. Aber nach rund vier Wochen stieß ich auf eine Mauer, die ich mir selbst gebaut hatte.
Ich suchte verzweifelt die C-Dur-Tonleiter auf meinen Knöpfen, während der Bildschirmlehrer gelassen über weiße Pianotasten strich. Mein kleiner Dachbodenfund aus Güstrow ist nämlich kein klassisches Pianoakkordeon. Meine zweireihige Ziehharmonika besitzt die typische Tastenbelegung klassischer Modelle mit 21 Diskantknöpfen und 8 Bassknöpfen. Vor allem ist sie diatonisch und wechseltönig aufgebaut: Beim Drücken erklingt ein anderer Ton als beim Ziehen.
Ein klassisches Tastenakkordeon dagegen ist gleichtönig. Drückt man eine weiße Taste, klingt derselbe Ton – egal in welche Richtung der Balg wandert. Ich saß also da, drückte denselben Knopf auf Zug und Druck und hörte zwei völlig unterschiedliche Klänge, während das Video mir erklärte, ich solle einfach die Hand locker liegen lassen und fünf Tasten nacheinander abspielen. Da merkte ich zum ersten Mal: Dieser Kurs ist primär für Tasteninstrumente gedacht.
Kalter Nachtwind und müde Unterarme
An einem Donnerstagabend im Mai saß ich wieder da. Kalter Nachtwind zog durch die Terrassentür, während das brüchige Balgleder leise zwischen meinen Unterarmen knisterte. Ich hatte an dem Tag zehn Stunden Dienst hinter mir, viel Hektik, zwei Notfälle. Der Mischlingsrüde hob kurz ein Schlappohr bei einem schiefen Bassakkord, seufzte tief und schlief einfach weiter.
Nach einer halben Stunde Balgarbeit spannte mein linker Schultermuskel wie nach einer langen Reanimationsschicht auf Station. Das Instrument wiegt zwar nicht viel, aber wenn man verkrampft versucht, Zug und Druck mit den Fingern der rechten Hand zu koordinieren, macht der Körper dicht. Genau an diesem Punkt half mir der Kurs auf unerwartete Weise: nicht bei der Griffbelegung, sondern beim Begreifen von Atmung und Haltung.
Ich verstand plötzlich, wie wichtig es ist, das Muskelgedächtnis beim Akkordeon ganz langsam aufzubauen. In der Pflege ist es ähnlich: Beim ersten Mal Blutabnehmen zittert jeder Finger. Nach tausend Nadeln wandert die Hand völlig von allein. Auf dem Balg passierte lange Zeit gar nichts automatisch – bis ich anfing, nur die Bewegung des linken Arms isoliert zu üben.
Was der Kurs leisten kann – und wo die Grenzen liegen
Man muss fair bleiben. Das Angebot von meineMusikschule für Akkordeon hat mir die Scheu vor diesem sperrigen Kasten genommen. Für jemanden, der noch nie ein Notenblatt von innen gesehen hat, sind die einfachen Rhythmusübungen Gold wert.
Besonders geholfen haben mir:
- Die Balgkontrolle: Wie man den Balg gleichmäßig führt, ohne dass der Ton einknickt oder röchelt.
- Die Gehörbildung: Zu hören, wann ein Ton sauber steht und warum die Schwingung wichtig ist. Standardmäßig ist der Stimmton A1 auf 440 Hz genormt, aber eine alte Trödelkiste hat oft ihr ganz eigenes Eigenleben.
- Die Flexibilität: Keine festen Abgabetermine, kein Leistungsdruck, Zugriff auf Inhalte zu jeder Tag- und Nachtzeit.
Die Kehrseite der Medaille zeigte sich allerdings schnell: Wer eine diatonische Knopfharmonika spielt, muss im Kopf permanent umrechnen. Wenn im Video von Halbtönen oder speziellen Fingersätzen auf der Klaviatur gesprochen wird, hilft einem das auf zwei Knopfreihen nur bedingt weiter. Wenn du dich speziell für das linke Griffbrett interessierst, helfen dir vielleicht meine anderen Notizen dazu, etwa wie ich mich mit Erfahrungen zu Bassknöpfen durchgekämpft habe.
Außerdem ist die Kursstruktur eher breit als tief angelegt. Man bekommt einen guten Rundumblick, aber wer nach einigen Monaten anspruchsvollere Stücke sucht, wünscht sich irgendwann kleinteiligere, methodisch strengere Schritte.
Sonntagmorgen auf der Terrasse: Mein Fazit nach sechs Monaten
Gegen Spätsommer saß ich an einem freien Sonntagmorgen wieder mit dem warmen Kaffeebecher draußen. Die Ostsee rauschte in der Ferne, die Möwen zogen über die Dächer von Warnemünde. Auf meinem Schoß lag „die Kleine“.
Ich kann heute immer noch keine virtuosen Konzerte spielen. Meine Nachbarin grüßt inzwischen wieder freundlich über den Gartenzaun, was ein klares Zeichen für Fortschritt ist. Drei einfache Melodien sitzen so sicher, dass ich dabei die Augen schließen kann, ohne mich im Bass zu vergreifen. Und ich habe gelernt, wie man die Angst vor falschen Tönen beim Akkordeon verliert – denn Fehler gehören auf der Kardiologie zum Risiko, beim Musizieren aber einfach zum Feierabend.
Würde ich den Einstieg über meineMusikschule im flexiblen Abo noch einmal wählen? Ja, genau für diese erste Phase. Es war für mich die sicherste Brücke hinein in eine fremde Welt. Die Monatsoption hat mir erlaubt, ohne großes finanzielles Risiko zu testen, ob meine Hände nach 40 Jahren Nichtstun überhaupt noch neue Abläufe lernen wollen. Man bindet sich nicht langfristig, und wer wissen will, wie viel das Abo aktuell kostet, schaut am besten direkt beim Anbieter nach, da sich solche Konditionen gelegentlich ändern.
Für den allerersten Kontakt mit Balg, Rhythmus und Musiktheorie war dieser Weg genau richtig. Später, wenn die Grundlagen sitzen und man weiß, ob man beim Pianoakkordeon oder bei den wechseltönigen Knöpfen bleibt, sucht man sich ohnehin Material, das bis ins kleinste Detail zur eigenen Bauart passt. Aber zum Anfangen, spätabends nach dem Dienst? Da war es genau der Schubs, den ich gebraucht habe.